Ist Dampfen sicher?

Die Schlagzeilen fragen jeden Tag: Sind E-Zigaretten sicher? Die Frage ist, ob das überhaupt die richtige Frage ist!

ist-dampfen-sicherIst Dampfen nicht gesundheitsgefährdend? Die meisten Skeptiker und auch Raucher fragen sich das – Ist es ein sicherer Weg, mit dem Rauchen aufzuhören? Doch ist das überhaupt die richtige Frage? Wenn wir uns genau anschauen, welche Produkte überhaupt wirklich sicher sind, wird es kompliziert. Was bedeutet „sicher“ überhaupt? Sind Autos sicher? Oder das Gemüse, das wir im Supermarkt kaufen? Tatsächlich ist kein einziges Produkt, das wir nutzen oder konsumieren, garantiert sicher. Nehmen wir das Beispiel Auto. Autos können in vielerlei Hinsicht gefährlich werden, selbst wenn wir keine Fehler beim Fahren machen. Es gibt unzählige Unfälle jedes Jahr. Ebenso sterben viele Menschen und noch mehr erkranken durch Bakterien in Obst und Gemüse. Trotzdem fahren wir weiterhin und essen unseren Salat. Mit Einsatz von etwas gesundem Menschenverstand und Vorsichtsmaßnahmen sind die Risiken nämlich gering. Wir wenden Schadensbegrenzung bei den meisten Dingen an.

Was bedeutet Schadensbegrenzung?

Wenn man das Wort Schadensbegrenzung hört, denkt man vielleicht erst einmal an Heroinsüchtige oder geschützten Geschlechtsverkehr. Das ist ein Anwendungsgebiet der Schadensminderung – das Verteilen von sauberen Nadeln für Suchtkonsumenten und Kondomen für Menschen mit HIV oder anderen Geschlechtskrankheiten ist Schadensminderung. Diese Vorkehrungen reduzieren das Risiko und potentiellen Schaden solcher Aktivitäten. Ist das Injizieren einer Droge wie Heroin sicher mit einer sauberen Nadel? Nein, definitiv nicht. Doch ist es sicherer als ohne? Definitiv.

E-Zigaretten sind Schadensbegrenzung für gefährlichen Tabak

e-zigaretten-sind-schadensbegrenzung-fur-gefahrlichen-tabakDas Anlegen von Anschnallgurten in Autos macht diese nicht sicher, aber sicherer. Das Waschen von frischem Obst und Gemüse verringert die Wahrscheinlichkeit, dass uns Bakterien krankmachen. Manche nennen es auch Schadensminderung oder Schadensverminderung. Es ist ein einfacher Weg, die Gefahren jeglicher Produkte und Dinge, die wir tun, zu reduzieren.

Rauchen verursacht den vorzeitigen Tod vieler Menschen. Über 450.000 Amerikaner sterben jedes Jahr an den Folgen des Rauchens, sagt die CDC. Weltweit sollen es etwa sechs Millionen sein. Viele Menschen haben Gesundheitsprobleme, die sie zwar nicht töten, aber das Leben doch einschränken oder die Lebensqualität mindern. Um die bewiesenen Gefahren des Tabakrauchens zu vermindern, ist das Angebot von weniger riskanten Alternativen eine gute Möglichkeit, die Gesundheitseinschränkungen zu mindern – wenn auch nicht das gesamte Risiko verschwindet. Dampfen ist Schadensbegrenzung für das Tabakrauchen.

Nach neuesten Erkenntnissen und Forschungen sind E-Zigaretten beinahe garantiert weniger schädlich als Tabakzigaretten. Der U.S. Surgeon General und weitere Experten haben die meisten Krankheiten, die mit dem Rauchen zusammenhängen, mit den Verbrennungsprodukten des Rauchs in Zusammenhang gebracht, nicht mit dem Nikotin an sich.

Dr. Jed Rose, Director, Center for Smoking Cessation, Duke University Medical Center:

Tabak-Schadensbegrenzung wird von einigen als Möglichkeit angepriesen, schädliche Gefahren des Rauchens zu reduzieren. Rauchfreier Tabak oder E-Zigaretten bieten langjährigen Rauchern die Möglichkeit, weiterhin ihr Nikotin zu bekommen, ohne die bekannten Gefahren des Rauchens – das verstehen die meisten Gesundheitsbefürworter.

Wir wissen, dass dies funktionieren würde, weil es bereits funktioniert hat. In Schweden beispielsweise konsumiert ein großer Teil der Bevölkerung Schnupftabak, statt zu rauchen – und das schon seit einer langen Zeit. In der gesamten westlichen Welt hat Schweden den niedrigsten Anteil an Krankheiten, die mit dem Rauchen zusammenhängen. Groß angelegte Studien zeigen zweifelsfrei, dass der Langzeitkonsum von Schnupftabak fast keinerlei Risiken mit sich bringt.

Es ist ganz simpel: Nichts ist so risikobehaftet wie totes Material anzuzünden und den Rauch zu inhalieren. Wenn du jemand bist, der Nikotin ohne die Gefahren des Rauchens konsumieren möchte, dann ist der Umstieg auf Dampfen oder Schnupftabak sicherlich eine schlaue Wahl.

Die potentiellen Sicherheitsrisiken

Wir haben uns auf unserer Website schon vorher mit den Gefahren des Dampfens auseinandergesetzt, daher schauen wir uns heute nur eine kleine Zusammenfassung dieser an.

Anfang dieses Jahrhunderts geriet Diacetyl in die negativen Schlagzeilen, als Angestellte einer Firma in den USA die Mikrowellen-Popcorn produziert, mit einer unheilbaren Lungenkrankheit diagnostiziert wurden, die sich obliterative Bronchiolitis nennt. Dies geschah als Folge der Arbeit mit Diacetyl, welches verwendet wurde, um das Popcorn zu aromatisieren. Diese Krankheit hat seither sogar den Spitznamen Popcorn Lunge.

Dampfer, die E-Liquids mit Diacetyl nutzen, können quasi gar nicht die Mengen an Diketonen inhalieren, die vergleichbar sind mit denen, denen die Arbeiter in der Popcorn-Fabrik ausgesetzt waren. Zigaretten enthalten zudem auch Diacetyl, und zwar weitaus mehr als jegliches E-Liquid. Ist es also sicher, Diacetyl zu inhalieren? Wahrscheinlich nicht, aber das Risiko ist geringer beim Dampfen als beim Rauchen. Nicht alle E-Liquids enthalten übrigens diesen Zusatzstoff. Und bisher wurde noch kein Raucher oder Dampfer mit einer Popcorn-Lunge diagnostiziert.

Formaldehyd und andere Gifte im Dampf

formaldehyd-und-andere-gifte-im-dampfEine Gruppe von Wissenschaftlern der Portland State University fand heraus, dass wenn man den Dampf so hochregulieren würde, dass kein Mensch es mehr tolerieren könnte, ein günstiger Clearomizer hohe Mengen an Formaldehyd produzieren würde. In dem Glauben, dass sie hier den Durchbruch der Anti-E-Zigaretten Bewegung gemacht hätten, leiteten sie diese Ergebnisse an das England Journal of Medicine weiter, welches die Informationen sogleich veröffentlichte. Das Ergebnis? Negative Schlagzeilen auf der ganzen Welt, nach dem Motto: „Forscher fanden heraus: E-Zigaretten Dampf voller krebserregender Substanzen“.

„Die Bedingungen, unter denen das E-Zigaretten Aerosol bei einer so hohen Voltzahl-Einstellung getestet wurden, waren unrealistisch. Kein Dampfer wäre unter diesen Bedingungen jemals in der Lage, das Produkt zu nutzen.“, schrieb Dr. Michael Siegel, ein Doktor und Professor der Boston University. „Das liegt daran, dass die Wattzahl, die verwendet wurde, so hoch war, dass der Verdampfer überhitzte und einen nicht zu tolerierenden fürchterlichen Geschmack für den Dampfer hinterlassen würde. Bei einer gewöhnlichen E-Zigarette wären wahrscheinlich die Spulen beschädigt oder zerstört.“

Wir atmen und schlucken ständig Gifte.

wir-atmen-und-schlucken-standig-gifteWenn der Docht nicht mit dem produzierten Dampf mithalten kann oder der Verdampfer ausgetrocknet ist, kann es passieren, dass man einen so genannten „trockenen Zug“ nimmt. Die Gifte zu messen, die daraus resultieren, ist sinnlos, da diese niemand für länger als den Bruchteil einer Sekunde inhalieren würde. Es gibt noch andere bekannte Giftstoffe im E-Zigaretten-Dampf. Keine von diesen existieren jedoch in Mengen, die dem Dampfer schaden würden. Das Royal College of Physicians sagt dazu: „Bei normaler Verwendung sind die Giftmengen, die beim Dampfen eingeatmet werden, wahrscheinlich weit unter den gesetzlichen Grenzwerten einer beruflichen Aussetzung an Gefahrenstoffen, wodurch eine Langzeitschädigung unwahrscheinlich ist.“

Wir atmen und schlucken ständig Gifte – eine Tatsache, die oft übergangen wird von den Kritikern von E-Zigaretten. Wenn sie in geringen Mengen vorkommen, die der Körper einfach verarbeiten kann, häufen sie sich nicht an und verursachen Gesundheitsprobleme. Es gibt zahlreiche Studien über verschiedene Inhaltsstoffe des Dampfes, die einschüchternd klingen, doch es wurde kein definitiver Schaden nachgewiesen. Das bedeutet nicht, dass eine echte Gefahr ausgeschlossen ist, es ist allerdings unwahrscheinlich.

Ist Nikotin sicher?

Nikotin hat aufgrund seiner Verbindung mit dem Rauchen einen schlechten Ruf. Für sich betrachtet ist es jedoch ein relativ milder Wachmacher mit ähnlichen Auswirkungen wie Koffein. Es verursacht keinen Krebs und scheinbar auch keine anderen Krankheiten. Wahrscheinlich ist Nikotingenuss sogar für die meisten Menschen ungefährlich.

Nikotin verursacht einen kurzzeitigen Anstieg des Herzschlags und Blutdruck, weil es die Blutgefäße verengt, wenn es eingenommen wird – ebenso wie Koffein. Für Leute mit ernsthaften Herzproblemen ist Dampfen (geschweige denn Rauchen) also keine gute Entscheidung. Schwangere Frauen sollten Nikotin wahrscheinlich komplett meiden, obwohl Studien, die auf Risiken für das ungeborene Kind hindeuten, fragwürdig sind.

E-Liquids sollten in verschlusssicheren Flaschen vor Kinder geschützt aufbewahrt werden. Oft wird Nikotin als „so süchtig machend wie Heroin“ beschrieben, das ist jedoch nicht wahr. Raucher bekommen einen Nikotinkick im Gehirn, zusammen mit anderen Substanzen, die das Suchtpotential des Nikotins erhöhen. Andere Konsumformen wie beispielsweise Schnupftabak geben die Droge langsam an den Körper ab. Dampfen liegt vermutlich zwischen diesen beiden Varianten.

Ein Sicherheitsbedenken gibt es jedoch, welches nicht wegzudiskutieren ist: Nikotin ist gefährlich, wenn es Kinder trinken. E-Liquids sollten deshalb vor Kindern sicher verstaut werden.

Sind die Batterien von E-Zigaretten sicher?

e-cig-batteriesDas Risiko eines Totalausfalls der Batterien ist sehr gering, wenn du simple Vorsichtsmaßnahmen ergreifst. Solange du kein Experte bist, nimm ganz gewöhnliche Einsteigersets mit einer guten Batterie und passendem Ladegerät. Trage Batterien nie lose in Taschen mit dir herum und lasse die Akkus nicht unbeaufsichtigt laden. Mit etwas gesundem Menschenverstand und den grundlegenden Sicherheitsregeln, was die Nutzung von Batterien angeht, wirst du so gut wie alle Probleme damit verhindern können.

Ist Dampfen sicher? Warum fragst du?

Wenn du verstanden hast, dass E-Zigaretten gesünder sind als das Rauchen normaler Zigaretten, und dir trotzdem noch die Frage stellst, ob Dampfen sicher ist, können wir ein paar potentielle Gefahrenquellen zusammen durchgehen. Denk aber daran, dass keiner je behauptet hat, Dampfen – oder irgendetwas anderes – sei „sicher“. Wir können nur sagen, dass es einigermaßen sicher ist.

Wenn du nicht schon Raucher bist, sei dir empfohlen, auch nicht mit dem Dampfen anzufangen. Dampfen ist nicht gesünder als nicht zu dampfen. Die Risiken und Vorteile von E-Zigaretten sollten immer relativ zu denen des Tabakrauchens betrachtet werden. Es ist ziemlich sicher, dass E-Zigaretten gesünder sind als normale Zigaretten. Doch frische Luft trumpft natürlich alles.

sicherheitDiejenigen, die all die medizinischen Ergebnisse abgewägt haben, sind wahrscheinlich zu dem Schluss gekommen, dass das Dampfen ein relativ geringes Gesundheitsrisiko birgt. Sowohl das Royal College of Physicians als auch Public Health England schlagen vor, dass Ärzte Rauchern das Dampfen empfehlen, wenn sie es anders nicht schaffen, aufzuhören. Eine hoch angesehene Cochrane Review 2014 und 2016 unterstützt diese Meinung.

Wenn es größere Gefahren beim Dampfen von E-Zigaretten gibt, haben sie sich bisher nicht gezeigt oder wurden noch nicht von der Wissenschaft bewiesen. Wenn du nicht bereits Raucher bist, solltest du erst gar nicht anfangen, etwas in deine gesunden Lungen zu inhalieren. Doch wenn du Schwierigkeiten hast, mit dem Rauchen aufzuhören, solltest du dem Dampfen, unter anderem wegen seiner relativ geringen Gesundheitsrisiken, eine Chance geben.

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